Ostsee Geschichte

Uklei Kellersee

Uklei Kellersee

Während die meisten großen Meere ihre Entstehung in alten Erdzeitaltern haben, ist die Ostsee – oder auch Mare Baltikum – ein sehr junges Gewässer. Als sich vor Hunderten von Millionen Jahren die Erdkruste abkühlte, kondensierte Wasserdampf in der entstehenden Atmosphäre und Jahrhunderte langer Regen füllte die Mulden aus. Für das flache Gebiet der heutigen Ostsee allerdings reichte die Höhe des Meeresspiegels lange Zeit nicht aus – bis zum Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren.

Mit dem Rückgang der großen nordeuropäischen Gletscher stieg der Meeresspiegel an,
gleichzeitig erhoben sich die skandinavischen Landmassen durch den verminderten Druck. Das von den Gletschern zurückgelassene Becken der Ostsee füllte sich. Vorerst hatte die Ostsee keine Anbindung an die Nordsee, mit weiter steigendem Meeresspiegel wurde Dänemark von den restlichen Gebieten in Skandinavien getrennt. So erklärt sich auch der geringe Salzgehalt der Ostsee von 0,1% bis 1,7%, was die Ostsee zu einem Brackgewässer macht.

Als Salzwasser werden Gewässer ab einem Gehalt von 3,5%. Heute ist die Ostsee eines der flachsten Meere mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 52 m, hat durch die Bewegung der Gletscher allerdings auch einige tiefere Gräben. Die tiefste Stelle markiert der Landsorttief mit 459 m. Die Fläche der Ostsee gliedert sich in die Teile Kategat (trennt die Ostsee von der
Nordsee, bzw. dem Skagerak), eigentliche Ostsee, Bottnischer Meerbusen (trennt Schweden und Finnland) und dem Finnischen Meer (trennt Finnland von Estland und Russland) und hat damit eine Fläche von über 412.000 km². Geschichtlich erstmals erwähnt wird die Ostsee in Tacitus’ Germania von 98 n. Chr. Dieses Werk des römischen Schriftsteller und Politikers beschreibt das Volk und die Gebräuche der Germanen sowieso die bekannte Topographie. Allerdings sind die Informationen als zweiter Hand, wie zum Beispiel Julius Cäsars Bellum Gallicum, da Tacitus selbst nie in Germanien war.

Mit den Römern begann der Handel in der Ostseeregion, vor allem mit dem beliebten und seltenem Bernstein und mit Fellen und Pelzen. Diese Handelstradition setzte sich im Hochmittelalter zwischen dem 12. und dem 17. Jhd. in der Hanse fort, die stark mit der Geschichte der Ostsee verknüpft ist. Dieser Zusammenschluss vieler Städte wie Lübeck, Rostock, Stralsund, Danzig und Königsberg ließ die Region erblühen und bescherte den Städten großen Wohlstand. Die Hanse ist wohl die einzige freie Vereinigung die es schaffte, außerhalb einer Souveränität ihre Interessen zu vertreten und Kriege zu führen. Viele Städtewappen beinhalten noch heute die Farben der Hansestädte Rot und Weiß und eine Kogge als wichtigstes Transportmittel der Hanse. Der Untergang der Hanse wurde durch die territoriale und wirtschaftliche Stärkung der Landesherren an Nord- und Ostsee sowieso durch die Entdeckung Amerikas eingeleitet, was einen entscheidenden Handelskonkurrenten bedeutete. Gerade die Hanse hat die Ostsee Kultur geprägt

Auch in kriegerischen Zeiten war die Geschichte der Ostsee sehr bewegt. Im Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 erlangt Schweden einige Landstriche in der südlichen Ostsee, während des Großen Nordischen Krieges gründete Russland die Stadt Sankt Petersburg, welche dem Zar Peter dem Großen Zugang zur Ostsee verschaffte. Im Ersten Weltkrieg führte eine Revolte, die sich auf ganz Deutschland ausbreitete, gegen einen unsinnigen Befehl in Flensburg und Kiel zum Sturz der Monarchie. Im Zweiten Weltkrieg waren nach Gefechten zwischen Deutschen und Russen fast alle Schifffahrtswege vermint, so dass der Personenverkehr eingestellt werden musste. 1954 ereignete sich auch hier die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten: der Untergang des KdF-Schiffes Wilhelm Gustloff. Beim Versuch, tausend in Ostpreußen und Hinterpommern eingeschlossene Deutsche zu
retten, wurde das Schiff von einem russischen U-Boot versenkt und 9000 Menschen ertranken oder erfrierten im eisigen Wasser. 

Auch in der Nachkriegszeit ereigneten sich in der Geschichte der Ostsee weiteren Katastrophen. Schätzungsweise 5000 DDR Bürger versuchten über die Ostsee zu flüchten, viele Versuche endeten tödlich. Das aktuellste Unglück ist der Untergang der MS Estonia, bei dem am 28. September 1994 852 Passagiere ums Leben kamen. Heute ist die Ostsee neben der Werftindustrie und dem Handel stark
touristisch geprägt. Die Seebäder haben eine lange Tradition und die Region nimmt sich mehr und mehr Trends wie Wellnessurlaub und Aktivurlaub an. Nach der Wende 1989 ist die Region Ostsee Urlaub durch neue Infrastruktur und Wiederaufbau noch attraktiver geworden und gewinnt weiter durch Attribute wie familienfreundlich und abwechslungsreich.

28. April 2009 | Von | Kategorie: Ostsee Allgemeines

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